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    Laserschneiden

    Laserschneiden: Wie das Verfahren funktioniert und was es kostet

    Wie Laserschneiden funktioniert, welche Blechdicke je kW geht und was eine Schnittstunde real kostet: Praxiswissen zu Faserlaser-Anlagen von I-H&S.

    Faserlaser-Schneidkopf beim Schneiden von Stahlblech mit Funkenflug auf dem Lamellentisch

    Laserschneiden ist ein thermisches Trennverfahren, bei dem ein fokussierter Laserstrahl Metall lokal aufschmilzt oder verbrennt, während ein Schneidgas die Schmelze aus der Schnittfuge bläst. In der Blechbearbeitung dominiert heute der Faserlaser: Je nach Leistungsklasse schneidet er Baustahl bis rund 50 mm und Edelstahl bis rund 50 mm, bei dünnem Blech arbeitet er drei- bis viermal schneller als ein CO₂-Laser, bei etwa der Hälfte des Stromverbrauchs.

    Soweit die Kurzfassung. Interessant wird es bei den Fragen, die dir kein Prospekt beantwortet: Welche Leistung brauchst du wirklich? Was kostet eine Schnittstunde am Ende des Monats? Und woran erkennst du, ob in einer Maschine gute Technik steckt oder nur ein gutes Datenblatt?

    Genau darum geht es hier.

    Laserschneidanlage, Faserlaser, Flachbettlaser: was heißt was?

    Bevor wir in die Technik gehen, kurz das Begriffsfeld sortieren. Im Markt werden diese Bezeichnungen munter durcheinander verwendet, und beim Angebotsvergleich führt das regelmäßig zu Missverständnissen.

    BegriffWas gemeint ist
    LaserschneidenDer allgemeine Sammelbegriff für das Verfahren
    LaserstrahlschneidenDie normgerechte Bezeichnung nach DIN 8580, inhaltlich dasselbe
    Laserschneidanlage / LaserschneidmaschineDie Maschine selbst. „Anlage" wird oft verwendet, wenn Automatisierung wie Be- und Entladung dazugehört, „Maschine" für die Stand-alone-Variante
    Laserschneider / Schneidlaser / BlechlaserUmgangssprachliche Kurzformen für dieselbe Maschine
    Faserlaser / FiberlaserDie Bauart der Laserquelle, nicht die Maschine. Der Strahl entsteht in einer dotierten Glasfaser
    CO₂-LaserDie ältere Bauart mit Gasentladung und Spiegelstrahlengang
    FlachbettlaserDie Bauform: Das Blech liegt flach auf einem Lamellentisch, der Schneidkopf verfährt in X und Y darüber
    2D-Laser / 2D-FaserlaserSynonym zum Flachbettlaser, geschnitten wird in der Ebene
    Rohrlaser / 3D-LaserAndere Bauformen für Rohre, Profile und räumliche Bauteile
    CNC-LaserBetont nur, dass die Maschine numerisch gesteuert ist. Das ist heute Standard
    Laserzuschnitt / LaserteileDas Ergebnis, also die geschnittenen Bauteile

    Kurz gesagt: Ein 2D-Faserlaser ist ein Flachbettlaser mit Faserlaserquelle. Wer „Laserschneidanlage", „Laserschneidmaschine" oder „Blechlaser" sagt, meint in aller Regel genau dasselbe Gerät.

    Dieser Artikel behandelt durchgängig den Flachbettlaser für Blech. Rohrlaser und 3D-Anwendungen folgen anderen Regeln.

    Wie Laserschneiden technisch funktioniert

    Der Ablauf ist in jeder 2D-Laserschneidanlage derselbe:

    1. Strahlerzeugung. Die Laserquelle erzeugt Licht einer definierten Wellenlänge. Beim Faserlaser sind das rund 1.070 nm, beim CO₂-Laser 10.600 nm.
    2. Strahlführung. Der Faserlaser leitet den Strahl über ein Lichtleitkabel zum Schneidkopf, verschleißfrei und ohne justierbare Umlenkspiegel.
    3. Fokussierung. Im Schneidkopf bündelt eine Linse den Strahl auf typisch 20 bis 250 µm. Dort entstehen Leistungsdichten jenseits von 10⁶ W/cm².
    4. Einstechen. Bei dünnem Blech dauert das Millisekunden, bei 20 mm Baustahl bis zu zwei Sekunden. Gestufte Einstechprogramme vermeiden Auskolkungen.
    5. Schneiden. Der Kopf fährt die Kontur ab, das Schneidgas strömt koaxial durch die Düse und treibt die Schmelze nach unten aus.
    6. Abfuhr. Schlacke fällt in den Schlackekasten, Rauch und Feinstaub gehen in die Absaugung.

    Die Schnittfugenbreite liegt je nach Blechdicke und Fokuslage bei etwa 0,1 bis 0,5 mm. Deshalb schlägt Laserstrahlschneiden bei der Materialausnutzung praktisch jedes andere Trennverfahren: Du kannst Teile im Nesting fast auf Stoß legen.

    Die drei Schneidverfahren und wann du welches nutzt

    Auch wenn alle drei „Laserschneiden" heißen: Physikalisch sind es unterschiedliche Prozesse.

    Brennschneiden mit Sauerstoff

    Der Laser erwärmt den Stahl auf Zündtemperatur, dann verbrennt der zugeführte Sauerstoff das Material exotherm. Die Reaktion liefert einen erheblichen Teil der Schnittenergie selbst. Deshalb schaffst du mit Sauerstoff deutlich größere Blechdicken als mit Stickstoff bei gleicher Laserleistung.

    • Material: un- und niedriglegierter Stahl
    • Vorteil: hohe Dicken, geringe Gaskosten, niedriger Gasdruck
    • Nachteil: oxidierte Schnittkante, die vor dem Lackieren nachbearbeitet werden muss

    Ein Punkt, der oft übersehen wird: Bei zunehmender Blechdicke musst du den Sauerstoffdruck senken, nicht erhöhen. Zu viel Druck führt zu Auskolkung, die Schnittfuge wird unten breiter und rau.

    Schmelzschneiden mit Stickstoff

    Der Laser schmilzt das Material, hochreiner Stickstoff bläst die Schmelze aus und hält Sauerstoff aus der Schnittfuge fern. Ergebnis: metallisch blanke, oxidfreie Kanten.

    • Material: Edelstahl, Aluminium, verzinkter und beschichteter Stahl, zunehmend auch Baustahl
    • Vorteil: keine Oxidschicht, minimaler Grat, direkt weiterverarbeitbar
    • Nachteil: hoher Gasverbrauch bei 10 bis 25 bar, der größte variable Kostenblock

    Die Gasreinheit ist hier kein Detail. Mit Standard-Industriestickstoff (99,8 %) bekommst du Anlauffarben und verlierst bei Edelstahl die Korrosionsbeständigkeit an der Schnittkante. Für saubere Kanten brauchst du 99,999 % mit einem Restsauerstoffgehalt unter 20 ppm.

    Sublimierschneiden

    Das Material wird direkt verdampft, ohne nennenswerte Schmelzphase. In der Blechbearbeitung praktisch bedeutungslos, relevant bei Kunststoffen, Holz und in der Mikrobearbeitung.

    Faserlaser oder CO₂-Laser?

    Für Neuinvestitionen in der Blechbearbeitung ist die Frage faktisch entschieden. Trotzdem lohnt der Blick auf die Gründe, gerade wenn du eine bestehende CO₂-Anlage ablösen willst.

    KriteriumFaserlaserCO₂-Laser
    Wellenlängeca. 1.070 nm10.600 nm
    Elektrischer Wirkungsgrad30–45 %8–12 %
    StrahlführungLichtleitkabel, wartungsfreiSpiegelstrahlengang, justierpflichtig
    Dünnblech (< 4 mm)3–4× schnellerReferenz
    Dickblech (> 20 mm Baustahl)vergleichbar bis leicht bessertraditionell stark
    Buntmetalleja, absorbiert gutproblematisch durch Reflexion
    Laufende Kostenniedriger, kein LasergasLasergas, Turbine, Optikpflege
    Wartungsaufwandgeringdeutlich höher

    Der entscheidende Hebel ist der Wirkungsgrad. Ein 6-kW-Faserlaser zieht im Schnitt etwa 20 bis 25 kW aus dem Netz, ein CO₂-Laser vergleichbarer Schneidleistung ein Vielfaches. Bei zweischichtigem Betrieb sind das schnell fünfstellige Beträge Unterschied pro Jahr.

    Welche Blechdicke schafft welche Laserleistung?

    Die wichtigste Tabelle für deine Investitionsentscheidung, und die, bei der die meisten Datenblätter schummeln. Denn „maximale Blechdicke" und „wirtschaftlich sinnvolle Blechdicke" sind zwei verschiedene Dinge.

    LaserleistungBaustahl (O₂)Edelstahl (N₂)Aluminium (N₂)KupferMessing
    3 kW22 mm16 mm12 mm6 mm10 mm
    6 kW25 mm25 mm20 mm10 mm20 mm
    12 kW40 mm40 mm40 mm14 mm20 mm
    20 kW50 mm50 mm50 mm20 mm

    Die Werte entsprechen den maximalen Blechdicken unserer JFY Faserlaser der BFC-Reihe. Kupfer schneidet ausschließlich die BFC+ mit TRUMPF-Quelle, deshalb steht in der 20-kW-Zeile kein Wert.

    Die ehrliche Ergänzung: Rechne bei der maximalen Dicke mit deutlich reduzierter Schnittgeschwindigkeit, längeren Einstechzeiten und höherer Ausschussquote. Wirtschaftlich sinnvoll ist typischerweise ein Bereich, der etwa 20 bis 25 % unter dem Maximalwert liegt.

    Zweiter Punkt: Bei dünnem Blech skaliert der Vorschub nahezu linear mit der Laserleistung, bei dickem Blech kaum noch. Wer überwiegend Dünnblech schneidet, holt aus jedem zusätzlichen Kilowatt spürbar mehr Durchsatz heraus. Die konkreten Vorschubwerte je Material und Leistungsklasse findest du bei den einzelnen Maschinen: zu den JFY Faserlaser-Modellen.

    Die Laserquelle entscheidet

    Zwei Laserschneidanlagen mit identischer Angabe „6 kW" können sich im Betrieb deutlich unterschiedlich verhalten. Die Kilowattzahl auf dem Typenschild sagt wenig darüber aus, wie viel Leistung nach fünf Jahren noch im Blech ankommt.

    Die Laserquelle. Sie ist die teuerste Einzelkomponente und bestimmt Strahlqualität, Leistungskonstanz und Lebensdauer. Entscheidend ist die aktive Leistungsregelung: Ein geregeltes System misst die Ausgangsleistung permanent und hält sie über die Gebrauchsdauer konstant. Ohne diese Regelung fällt die Leistung schleichend ab. Du merkst das zuerst an Details: Einstiche bei Dickblech brauchen länger, Grat tritt bei Parametern auf, die vorher sauber liefen, die Ausschussquote kriecht nach oben.

    Der Schneidkopf. Autofokus, Kollisionsschutz, Schutzglasüberwachung und die Frage, ob du Verschleißteile selbst wechseln kannst oder auf einen Servicetechniker warten musst. Hier trennt sich Verfügbarkeit von Stillstand.

    Antriebe und Maschinenbett. Ein geschweißtes, spannungsarm geglühtes Bett und hochwertige Antriebstechnik entscheiden über Wiederholgenauigkeit und darüber, wie die Maschine nach 15.000 Betriebsstunden noch schneidet.

    Frag bei jedem Angebot konkret nach Hersteller und Typ dieser drei Baugruppen. Ein Anbieter, der darauf keine klare Antwort gibt, ist ein Warnsignal.

    BFC und BFC+: derselbe Aufbau, zwei Laserquellen

    Bei den JFY Flachbettlasern lässt sich dieser Unterschied gut zeigen, weil beide Baureihen auf derselben Maschinenplattform aufbauen und sich im Kern der Anlage unterscheiden.

    BFCBFC+
    LaserquelleJFY-MAX EliteTRUMPF TruFiber G
    Verfügbare Laserstärken3 / 6 / 12 / 20 kW3 / 6 / 12 kW
    SchneidkopfBOCHU BLT AutofokusPrecitec Thunder (3 & 6 kW) / Procutter 1.0 (12 kW)
    SteuerungBOCHU FSCUT mit JFY HMIBOCHU FSCUT mit JFY HMI
    Offline-ProgrammierungJFY Plus (optional)JFY Plus (optional)
    Maschinenbettgeschweißt, torsionssteifgeschweißt, torsionssteif
    SicherheitsniveauPL-d (ISO 13849-1)TRUMPF TruFiber mit höchstem Sicherheitsniveau (PLe)

    Warum die TRUMPF-Quelle mehr ist als ein Logo

    Entscheidend ist nicht das Logo auf der Quelle, sondern was in der BFC+ tatsächlich verbaut ist.

    TRUMPF bietet seine industriellen Faserlaser der TruFiber-Reihe auch als Strahlquelle für Maschinenbauer an, verfügbar in der BFC+ mit 3, 6 und 12 kW. Das Kernmerkmal ist die aktive Leistungsregelung: Die Laserleistung bleibt nach Herstellerangabe über die gesamte Gebrauchsdauer stabil bei 100 %. Genau das ist der Unterschied zwischen „schneidet gut" und „schneidet in fünf Jahren immer noch gleich gut".

    Dazu kommt der Precitec-Schneidkopf, europäischer Standard in der Blechbearbeitung, mit entsprechend guter Ersatzteil- und Serviceversorgung im deutschsprachigen Raum.

    Und die BFC?

    Die BFC arbeitet mit JFYs eigener MAX-Elite-Quelle und einem BOCHU BLT Autofokus-Schneidkopf, nicht mit TRUMPF-Technik. Das gehört zur ehrlichen Darstellung dazu. Die Baureihe ist als wirtschaftlicher Einstieg ausgelegt und liefert in ihrem Segment eine solide Leistung, mit geschweißtem Maschinenbett, BOCHU FSCUT Steuerung, vollständiger CE-Umhausung und Zertifizierung nach PL-d (ISO 13849-1). Verfügbar ist sie mit 3, 6, 12 und 20 kW, die BFC+ mit 3, 6 und 12 kW.

    Die Auswahlfrage lautet damit nicht „welche ist besser", sondern:

    • BFC, wenn du planbare Investitionskosten brauchst, ein überschaubares Teilespektrum fährst und die Maschine überwiegend einschichtig läuft.
    • BFC+, wenn die Anlage im Zwei- oder Dreischichtbetrieb Geld verdienen soll, du enge Toleranzen über lange Zeiträume brauchst oder Prozesssicherheit bei Dickblech der kritische Faktor ist.

    Bei zweischichtigem Betrieb rechnet sich der Aufpreis für die stärkere Quelle typischerweise über geringeren Ausschuss und stabilere Parameter, bei einschichtigem Betrieb mit gemischtem Teilespektrum oft nicht.

    Schneidgase: der unterschätzte Kostenblock

    Nach Abschreibung und Strom ist das Schneidgas der drittgrößte Posten in der Gesamtkostenrechnung, bei viel Edelstahl im Programm sogar der zweitgrößte.

    GasEinsatzDruckKantenqualitätKosten
    SauerstoffBaustahl, alle Dicken0,5–6 baroxidiert, Nachbearbeitung nötigniedrig
    StickstoffEdelstahl, Alu, verzinkt10–25 barblank, oxidfreihoch
    DruckluftBaustahl und Alu dünn12–20 barleicht oxidiert, meist gratarmsehr niedrig

    Was Stickstoff wirklich kostet

    Der Preis pro Kubikmeter unterscheidet sich je nach Bezugsform um den Faktor 20 bis 30. Das ist die größte Stellschraube, die viele Betriebe nie anfassen:

    BezugsformRichtpreis je m³Sinnvoll ab
    Flaschenbündel1,50 – 3,00 €Gelegenheitsbetrieb, Notversorgung
    Flüssigtank (LIN)0,20 – 0,50 €ca. 1.000 h Schnittzeit/Jahr
    Stickstoffgenerator (PSA)0,08 – 0,15 €ca. 1.500 h Schnittzeit/Jahr

    Bei 8 mm Edelstahl und 20 bar Düsendruck liegt der Verbrauch grob bei 40 bis 60 m³/h. Rechne das einmal für deine Jahresschnittzeit durch: Bei einem Wechsel von Flaschen auf Tank oder Generator amortisiert sich die Investition in vielen Betrieben in unter zwei Jahren.

    Druckluft als dritter Weg: Für Baustahl und Aluminium im Dünnblechbereich ist Druckluftschneiden eine ernstzunehmende Option. Voraussetzung ist aufbereitete Luft nach ISO 8573-1 Klasse 1.4.1, öl- und feuchtigkeitsfrei. Verschmutzte Druckluft ruiniert dir Schutzglas und Düse in kürzester Zeit.

    Was kostet eine Schnittstunde wirklich?

    Hier ist die Beispielrechnung, die in kaum einem Prospekt steht. Annahmen: 6-kW-Flachbettlaser, 3.000 × 1.500 mm, Investitionsvolumen 250.000 €, einschichtiger Betrieb mit 1.700 Maschinenstunden im Jahr, Abschreibung über sieben Jahre.

    Position€ pro Stunde
    Abschreibung und Kapitalkosten21,00
    Strom (Ø 22 kW × 0,25 €/kWh)5,50
    Schneidgas (Mischbetrieb O₂/N₂ aus Tank)8,00
    Verschleißteile (Düsen, Schutzgläser, Keramik)3,00
    Wartung, Service, Ersatzteile4,00
    Raum, Absaugung, Versicherung3,00
    Maschinenstundensatz ohne Personal≈ 45 €
    Bediener anteilig (0,5 FTE)22,00
    Vollkostensatz≈ 67 €

    Zum Vergleich: Marktübliche Lohnschneidpreise liegen bei Standardteilen etwa zwischen 1,20 und 2,50 € pro Schnittminute, also 72 bis 150 € pro Stunde, ohne Rüst- und Transportzeiten.

    Die vier größten Hebel, wenn du diesen Stundensatz senken willst:

    1. Auslastung. Der Abschreibungsanteil halbiert sich im Zweischichtbetrieb auf rund 10 €/h. Das ist mit Abstand der stärkste Hebel.
    2. Gasbezug. Faktor 20 zwischen Flasche und Generator.
    3. Nesting. Fünf Prozent bessere Materialausnutzung schlagen bei heutigen Blechpreisen härter durch als jede Parameteroptimierung. Wer Laser und Abkantpresse aus einer gemeinsamen Software heraus programmiert, spart zusätzlich Rüst- und Vorbereitungszeit.
    4. Verfügbarkeit. Jeder Stillstandstag verteilt dieselben Fixkosten auf weniger Schnittstunden. Deshalb gehört die Frage nach Reaktionszeit und Ersatzteilverfügbarkeit in jedes Angebotsgespräch.

    Eigene Anlage oder Lohnfertigung?

    Die Faustregel: Ab etwa 80.000 bis 120.000 € jährlicher Fremdvergabe für Laserzuschnitte wird eine eigene Anlage rechnerisch interessant. Das entspricht grob 1.000 bis 1.300 Schnittstunden pro Jahr.

    Diese Zahl ist aber nur die halbe Wahrheit. In der Praxis geben oft die weichen Faktoren den Ausschlag.

    Für die eigene Maschine sprechen:

    • Durchlaufzeit: Teile in Stunden statt in Tagen oder Wochen
    • Prototypen und Änderungen ohne Mindestmengen und Rüstkostenzuschläge
    • keine Abhängigkeit von der Auslastung des Lohnfertigers
    • Wertschöpfungstiefe und damit Marge bleiben im Haus
    • Blechreste sind dein Material, Restblechverwaltung senkt den Einkauf spürbar

    Für die Lohnfertigung sprechen:

    • kein Kapitalbedarf, keine Fläche, kein Personalaufbau
    • Zugriff auf Materialien und Dicken außerhalb deines Kernspektrums
    • keine Betreiberpflichten und kein Wartungsaufwand
    • Spitzenlasten lassen sich abfedern

    Der pragmatische Weg für viele Betriebe: eine eigene Maschine für das Kernspektrum, Lohnfertigung für Ausreißer bei Material, Dicke oder Format. Läuft im Anschluss noch eine Abkantpresse im Haus, bleibt die komplette Wertschöpfung bei dir.

    Was die Schnittkante dir verrät

    Fehlerbilder lesen zu können, spart mehr Zeit als jedes Handbuch. Die häufigsten Muster:

    FehlerbildWahrscheinliche Ursachen
    Grat an der Blechunterseite (Baustahl)Gasdruck zu hoch, Fokuslage zu weit oben, Vorschub unpassend, Düse verschlissen
    Grat bei Edelstahl mit N₂Vorschub zu niedrig, Gasdruck zu niedrig, Fokus zu tief
    Schräge Riefen, nach unten nachlaufendVorschub zu hoch für die Blechdicke
    Anlauffarben an EdelstahlStickstoffreinheit zu gering, Leckage in der Gasleitung
    Verrundete Oberkantezu hoher Energieeintrag, Fokus zu weit oben, Vorschub zu niedrig
    Auskolkung im unteren FugenbereichSauerstoffdruck bei dickem Blech zu hoch
    Schnitt reißt bei Dickblech abverschmutztes Schutzglas, Fokuslage falsch, Leistungseinbruch, feuchtes Gas
    Schräge oder unsymmetrische FugeDüse nicht zentriert oder beschädigt
    Einstiche brennen ausPiercing-Parameter zu aggressiv, kein gestuftes Einstechprogramm
    Qualität verschlechtert sich schleichendLeistungsabfall der Quelle ohne aktive Regelung, verschmutzte Optik

    Ein Hinweis aus dem Servicealltag: Bei plötzlich abfallender Schnittqualität ist meist das Schutzglas der Verursacher. Prüf das immer zuerst, bevor du an Parametern drehst. Verschlechtert sich die Qualität dagegen über Monate langsam und gleichmäßig, lohnt eine Leistungsmessung an der Quelle.

    Sicherheit, CE und Betreiberpflichten

    Beim Kauf einer Laserschneidmaschine, besonders bei Importmaschinen, solltest du diese Punkte konkret abfragen, nicht nur „CE" auf dem Typenschild akzeptieren.

    Laserklasse. Eine vollständig umhauste 2D-Laserschneidanlage ist als Gesamtmaschine ein Laserklasse-1-Produkt, obwohl im Inneren ein Klasse-4-Laser arbeitet. Genau deshalb sind die Schutzeinrichtungen sicherheitsrelevant: lichtdichte Umhausung, laserabsorbierende Sichtfenster, überwachte Türverriegelungen, Lichtschranken.

    Konformität. Maßgeblich sind aktuell die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG sowie EN ISO 11553-1. Ab dem 20. Januar 2027 gilt die neue EU-Maschinenverordnung (EU) 2023/1230. Lass dir Konformitätserklärung, deutschsprachige Betriebsanleitung und die zugrunde gelegten Normen zeigen.

    Performance Level. Sicherheitsfunktionen werden nach ISO 13849-1 bewertet. Frag konkret nach dem erreichten Performance Level der Schutztürüberwachung und der Not-Halt-Kette. PL d ist der übliche Mindeststandard, PL e das höhere Niveau.

    Laserschutzbeauftragter. Nach OStrV und TROS Laserstrahlung ist ein Laserschutzbeauftragter für Klasse-3R-, -3B- und -4-Laser vorgeschrieben. Eine geschlossene Klasse-1-Anlage fällt im Normalbetrieb nicht darunter, bei Wartungsarbeiten mit geöffneter Umhausung aber sehr wohl.

    Absaugung und Gefahrstoffe. Beim Schneiden von Edelstahl entstehen Chrom(VI)- und Nickelverbindungen, die krebserzeugend sind. Hier gelten TRGS 528 und TRGS 561. Die Absaugung mit passender Filterklasse ist kein optionales Zubehör, sondern Bestandteil der Gefährdungsbeurteilung.

    Infrastruktur. Plane früh ein: Drehstromanschluss (meist 3 × 400 V mit 63 bis 125 A), Kühlwasserversorgung, Druckluft in der geforderten Qualität, Tragfähigkeit und Ebenheit des Bodens sowie Kranbahn oder Stapler für das Blechhandling.

    Wie geht es weiter?

    Wenn du gerade abwägst, ob und mit welcher Leistungsklasse der Einstieg ins eigene Laserschneiden Sinn ergibt: Schick uns dein Teilespektrum mit Materialien, Dicken, Losgrößen und Jahresmengen. Wir rechnen dir Schnittzeiten und einen realistischen Stundensatz für deinen Fall durch, ohne Verkaufsdruck.

    Lass uns deinen Fall durchrechnen.

    Schick uns dein Teilespektrum, wir melden uns mit Schnittzeiten und einem realistischen Stundensatz. Direkt anfragen.

    Häufige Fragen zum Laserschneiden

    Was ist der Unterschied zwischen Laserschneidanlage, Laserschneidmaschine und Faserlaser? Laserschneidanlage und Laserschneidmaschine bezeichnen dasselbe Gerät. „Anlage" wird meist verwendet, wenn Automatisierung wie Be- und Entladung dazugehört. „Faserlaser" beschreibt dagegen nicht die Maschine, sondern die Bauart der Laserquelle darin.

    Was ist ein Flachbettlaser? Ein Flachbettlaser, auch 2D-Laser genannt, ist die klassische Bauform für den Blechzuschnitt: Das Blech liegt flach auf einem Lamellentisch, der Schneidkopf verfährt in X- und Y-Richtung darüber. Abzugrenzen davon sind Rohrlaser für Rohre und Profile sowie 3D-Laseranlagen.

    Was ist der Unterschied zwischen Laserschneiden und Plasmaschneiden? Laserschneiden arbeitet mit fokussiertem Licht, Plasmaschneiden mit einem ionisierten Gasstrahl. Der Laser liefert eine schmalere Schnittfuge (0,1 bis 0,5 mm gegenüber 1 bis 3 mm), höhere Genauigkeit und eine kleinere Wärmeeinflusszone. Plasma ist jenseits von 40 mm oft günstiger im Betrieb.

    Welche Materialien lassen sich mit dem Faserlaser schneiden? Baustahl, Edelstahl, Aluminium, verzinkte und beschichtete Bleche, Kupfer, Messing sowie Titan. Nicht geeignet sind Kunststoffe mit Chloranteil, Verbundwerkstoffe mit Glasanteil und stark spiegelnde Werkstoffe in großen Dicken.

    Wie genau ist Laserschneiden? Positioniergenauigkeiten liegen bei modernen Anlagen typisch bei ±0,05 mm/m, Wiederholgenauigkeiten bei ±0,03 mm. Die erreichbare Bauteiltoleranz ist material- und dickenabhängig, bei Dünnblech sind ±0,1 mm realistisch.

    Welche Laserleistung brauche ich? Das hängt vom Teilespektrum ab, nicht von der maximal möglichen Dicke. Faustregel: 3 kW für überwiegend Dünnblech bis 8 mm, 6 kW als vielseitiger Allrounder bis rund 20 mm, ab 12 kW für hohen Durchsatz im Dünnblech oder regelmäßiges Dickblech.

    Worauf sollte ich beim Vergleich zweier Maschinen mit gleicher kW-Zahl achten? Auf Hersteller und Typ von Laserquelle, Schneidkopf und Antrieben. Entscheidend ist besonders, ob die Laserquelle über eine aktive Leistungsregelung verfügt. Ohne diese Regelung fällt die Leistung schleichend ab und hinterlegte Schneidparameter passen nach einigen Jahren nicht mehr.

    Stickstoff oder Sauerstoff beim Laserschneiden? Sauerstoff eignet sich für Baustahl in allen Dicken, ist günstig und ermöglicht große Blechdicken, hinterlässt aber eine oxidierte Kante. Stickstoff liefert blanke, oxidfreie Kanten für Edelstahl, Aluminium und beschichtete Bleche, verursacht durch 10 bis 25 bar aber hohe Gaskosten.

    Lohnt sich eine gebrauchte Laserschneidanlage? Bei gepflegten Maschinen mit dokumentierter Wartungshistorie ja. Prüfen solltest du Betriebsstunden der Laserquelle, Zustand von Optik und Schneidkopf, Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Steuerungssupport sowie die Konformität der Sicherheitseinrichtungen.

    Referenzkunde

    Sven Spicker, MetalCut Interior, JFY Referenzkunde

    Direkt aus der Werkhalle. Nicht aus dem Prospekt.

    „Unser JFY-Laser läuft seit der Inbetriebnahme zuverlässig, Schnittqualität, Verfügbarkeit und Bedienung passen für uns zu 100 %. Was für uns aber den Unterschied macht, ist der Draht zu I-H&S: kurze Wege, ehrliche Antworten und ein Team, das wirklich ans Telefon geht, wenn man anruft. So stellen wir uns Zusammenarbeit mit einem Maschinenpartner vor."

    Sven Spicker · MetalCut Interior · JFY-Anwender

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